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Warum wir Silvester ausgerechnet am 31. Dezember feiern

Warum feiern wir Silvester am 31. Dezember? Die Geschichte von Julius Cäsar, Papst Gregor XIII. und zehn verschwundenen Tagen im Kalender wird erzählt.

8 Min. Lesezeit
Aktualisiert Juli 2026
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Warum heißt der 31. Dezember eigentlich Silvester?

Wenn am 31. Dezember die Sektkorken knallen, feiern die Deutschen, Österreicher und Schweizer nicht einfach „Neujahrsabend" wie die meisten anderen Nationen, sondern einen Namenstag: Silvester. Der Begriff geht auf Papst Silvester I. zurück, der am 31. Dezember 335 in Rom starb und dessen kirchlicher Gedenktag seither auf diesen Tag fällt.

Silvester I. war von 314 bis zu seinem Tod Bischof von Rom, also faktisch Papst, während der Regierungszeit Kaiser Konstantins des Großen. In seine Amtszeit fiel das Konzil von Nicäa im Jahr 325, auch wenn Silvester selbst nicht persönlich daran teilnahm. Weil sein Todestag mit dem Jahresende zusammenfällt, wurde aus dem kirchlichen Gedenktag im deutschsprachigen Raum irgendwann der Name für den letzten Tag des Jahres überhaupt.

Übrigens: In vielen anderen Sprachen taucht dieser Namensbezug gar nicht auf. Englischsprachige feiern „New Year's Eve", Franzosen dagegen „la Saint-Sylvestre", der Name findet sich also durchaus auch dort wieder, während Italiener schlicht von „San Silvestro" sprechen.
335

Todesjahr von Papst Silvester I., Namensgeber des 31. Dezember

46 v. Chr.

Julius Cäsar reformiert den römischen Kalender grundlegend

1582

Papst Gregor XIII. lässt zehn Tage im Kalender überspringen

1918

Russland übernimmt als eines der letzten Länder Europas den neuen Kalender

Dass ausgerechnet der 31. Dezember als Jahresende gilt, ist historisch betrachtet allerdings keine Selbstverständlichkeit. Um zu verstehen, warum das Jahr an diesem Datum endet, lohnt sich ein Blick weit zurück in die römische Antike, lange bevor irgendjemand an Feuerwerk oder Bleigießen dachte.

Der römische Kalender: Als das Jahr noch im März begann

Der ursprüngliche römische Kalender, der sogenannte Kalender des Romulus, kannte gar keinen Januar und keinen Februar. Er hatte nur zehn Monate und begann mit dem März, dem Monat des Kriegsgottes Mars, wenn traditionell die Feldzugssaison eröffnet wurde. Die Wintermonate galten als kalendarisch belanglose Pause und wurden schlicht nicht gezählt.

Diese Zählung ab März erklärt bis heute einige Monatsnamen, die auf den ersten Blick nicht zum modernen Kalender passen wollen. September bedeutet wörtlich „der Siebte", Oktober „der Achte", November „der Neunte" und Dezember „der Zehnte". Vom März aus gezählt stimmt das exakt: März war Monat eins, und der zehnte Monat, der Dezember, beendete das Jahr.

Der Überlieferung nach fügte König Numa Pompilius im 7. Jahrhundert vor Christus zwei weitere Monate hinzu, Januar und Februar, um die fehlenden Wintertage abzudecken und den Kalender besser an den Mondzyklus anzupassen. Der Jahresbeginn blieb dabei zunächst trotzdem der 1. März.

Erst im Jahr 153 vor Christus verschob sich der offizielle Amtsantritt der beiden römischen Konsuln, der höchsten gewählten Beamten der Republik, auf den 1. Januar. Der Grund war denkbar unpolitisch: Ein Aufstand in Spanien erforderte schnelleres Handeln, und der Senat wollte die neu gewählten Amtsträger früher ins Amt bringen, um Truppen zu entsenden. Aus diesem pragmatischen Verwaltungsakt wurde über die Jahrhunderte der kalendarische Standard, den wir heute kennen.

Julius Cäsar und die Geburt des 1. Januar als Jahresbeginn

Der eigentliche Bruch mit dem alten, mondbasierten und ziemlich chaotischen römischen Kalender kam erst mit Julius Cäsar. Als Diktator Roms ließ er sich 46 vor Christus vom alexandrinischen Astronomen Sosigenes einen neuen, rein solaren Kalender entwerfen, den julianischen Kalender.

Weil der alte Kalender durch politische Willkür und eigenmächtig eingeschobene Schaltmonate völlig aus dem Ruder gelaufen war, dauerte das Übergangsjahr 46 vor Christus sage und schreibe 445 Tage. Die Römer nannten es später spöttisch das „annus confusionis", das Jahr der Verwirrung. Danach griff der neue Kalender mit exakt 365 Tagen und einem zusätzlichen Schalttag alle vier Jahre.

Der 1. Januar war zu diesem Zeitpunkt bereits seit rund einem Jahrhundert der Tag des Amtsantritts der Konsuln. Cäsars Reform bestätigte dieses Datum nun auch astronomisch als offiziellen Jahresbeginn und verankerte es fest im römischen und später im gesamten europäischen Kalenderwesen.

Gut zu wissen: Der Januar ist nach dem zweigesichtigen Gott Janus benannt, der gleichzeitig zurück ins alte und voraus ins neue Jahr blickt. Symbolisch passt kaum ein Name besser zum Jahresbeginn.
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Elf Minuten zu viel: Wie der Kalender aus dem Takt geriet

Der julianische Kalender war für seine Zeit erstaunlich präzise, aber nicht perfekt. Er ging von einem Jahr mit exakt 365,25 Tagen aus. Das tatsächliche tropische Jahr, also die Zeit, die die Erde für einen vollständigen Umlauf um die Sonne bezogen auf die Jahreszeiten benötigt, ist mit rund 365,2422 Tagen jedoch etwa elf Minuten kürzer.

Elf Minuten pro Jahr klingen nach einer Marginalie, summieren sich aber gnadenlos auf. Nach rund 128 Jahren hatte sich bereits ein voller Tag Abweichung angesammelt. Bis zum 16. Jahrhundert, also nach mehr als 1600 Jahren julianischer Kalenderrechnung, betrug der Fehler schon etwa zehn Tage.

Praktisch bedeutete das ein handfestes kirchliches Problem: Die Frühlings-Tagundnachtgleiche, die für die Berechnung des Osterfests entscheidend ist, war im Kalender eigentlich für den 21. März festgelegt, fiel astronomisch aber längst auf den 11. März. Ostern driftete damit langsam, aber sicher aus dem Frühling heraus, und genau dieses Problem sollte Papst Gregor XIII. schließlich lösen.

Zur Einordnung: Ohne Korrektur hätte sich der Kalender im Lauf der Jahrhunderte immer weiter gegen die Jahreszeiten verschoben. Nach einigen Jahrtausenden hätte Weihnachten irgendwann im Hochsommer gelegen.

Die gregorianische Reform: Zehn Tage, die es nie gab

Am 24. Februar 1582 erließ Papst Gregor XIII. die Bulle „Inter gravissimas" und ordnete damit die bis heute weltweit gebräuchlichste Kalenderreform an. Zwei Probleme wurden gleichzeitig gelöst: der aufgelaufene Zehn-Tage-Fehler und dessen Ursache, die zu großzügige Schaltjahrregel des julianischen Kalenders.

Der Tagesfehler wurde auf einen Schlag beseitigt. In den katholischen Ländern folgte auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582, direkt Freitag, der 15. Oktober 1582. Zehn Kalendertage verschwanden schlicht aus der Zeitrechnung, ohne dass irgendjemand sie erlebt hätte.

Für die Zukunft führte Gregor eine feinere Schaltjahrregel ein: Jahre, die durch vier teilbar sind, bleiben Schaltjahre, mit einer wichtigen Ausnahme für volle Jahrhunderte. Diese sind nur dann Schaltjahre, wenn sie zusätzlich durch 400 teilbar sind. Das Jahr 1900 war deshalb kein Schaltjahr, das Jahr 2000 dagegen schon. Diese Regel drückt den durchschnittlichen Fehler auf rund 26 Sekunden pro Jahr und macht eine erneute Zehn-Tage-Korrektur erst in vielen Jahrtausenden nötig.

Nicht alle Staaten sprangen sofort auf. Katholische Länder wie Spanien, Portugal, weite Teile Italiens und Frankreich übernahmen die Reform noch 1582. Protestantische Territorien misstrauten dagegen einer päpstlichen Anordnung und hielten teils über ein Jahrhundert am julianischen Kalender fest. Die protestantischen Reichsstände im Heiligen Römischen Reich wechselten erst 1700, Großbritannien und seine Kolonien sogar erst 1752, wobei elf Tage übersprungen wurden. Russland zog erst 1918 nach, kurz nach der Oktoberrevolution der Bolschewiki.

Deshalb liegt die „Oktoberrevolution" im November: Der Sturm auf das Winterpalais fand nach dem damals in Russland gültigen julianischen Kalender am 25. Oktober 1917 statt. Nach dem gregorianischen Kalender, den Russland erst wenige Monate später einführte, entspricht das dem 7. November 1917. Der Name der Revolution blieb trotzdem beim alten Datum hängen.
JahrEreignis
753 v. Chr. (überliefert)Ältester römischer Kalender, Jahresbeginn am 1. März
153 v. Chr.Amtsantritt der Konsuln wird auf den 1. Januar verlegt
46 v. Chr.Julius Cäsar führt den julianischen Kalender ein
335 n. Chr.Tod Papst Silvester I. am 31. Dezember, Namensgeber des Tages
1582Gregorianische Kalenderreform, zehn Tage werden übersprungen
1700Protestantische deutsche Reichsstände übernehmen den neuen Kalender
1752Großbritannien und seine Kolonien wechseln, elf Tage entfallen
1918Russland führt den gregorianischen Kalender ein

Weihnachten, Schaltsekunden und das orthodoxe Neujahr: Kalender-Kuriositäten bis heute

Auch innerhalb des heutigen Deutschlands war der 1. Januar als Jahresbeginn im Mittelalter keineswegs überall gesetzt. Je nach Bistum, Kloster oder Herrschaftsgebiet rechnete man das neue Jahr unterschiedlich. Verbreitet war etwa der „Weihnachtsstil", bei dem das Jahr am 25. Dezember begann, dem Geburtsfest Christi. Ebenso gebräuchlich war der „Marienstil" oder „Stil von der Inkarnation" mit Jahresbeginn am 25. März, dem Fest Mariä Verkündigung.

Erst im Lauf des 16. Jahrhunderts setzte sich im Heiligen Römischen Reich zunehmend der 1. Januar als einheitlicher Jahresanfang durch, parallel zur allgemeinen Vereinheitlichung von Verwaltung und Zeitrechnung. Die Vielfalt regionaler Jahresanfänge zeigt, wie lange der 1. Januar keineswegs selbstverständlich war, sondern sich erst gegen konkurrierende kirchliche Traditionen durchsetzen musste.

Bis heute gibt es zudem eine kalendarische Randnotiz, die viele überrascht: Orthodoxe Kirchen, etwa in Russland oder Serbien, feiern neben dem gregorianischen Neujahr am 1. Januar zusätzlich das sogenannte „Alte Neujahr" am 14. Januar. Das Datum entspricht dem 1. Januar nach dem weiterhin liturgisch genutzten julianischen Kalender, der inzwischen 13 Tage hinter dem gregorianischen zurückliegt.

Und noch eine Kuriosität gehört zum 31. Dezember: die Schaltsekunde. Weil sich die Erdrotation minimal und unregelmäßig verändert, driften hochpräzise Atomuhren gelegentlich von der tatsächlichen astronomischen Zeit ab. Seit 1972 wird dieser Unterschied bei Bedarf durch eine zusätzliche Sekunde ausgeglichen, meist eingefügt am 30. Juni oder eben am 31. Dezember, kurz vor Mitternacht als 23:59:60 Uhr. Wer genau um Mitternacht mitzählen möchte, findet mit dem Silvester-Countdown auch in einem Schaltsekunden-Jahr die exakte Sekunde bis zum neuen Jahr.

Der Kern in Kürze: Der 31. Dezember als Jahresende ist das Ergebnis von über zweitausend Jahren Kalenderreformen, von der römischen Zählung ab März über Cäsars julianischen Kalender bis zur gregorianischen Korrektur von 1582. Der Name Silvester erinnert dabei an einen Papst, der im Jahr 335 an genau diesem Tag starb, lange bevor irgendjemand an Feuerwerk dachte.

Wie lange noch bis Silvester?

Der Live-Countdown zählt Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis zum Jahreswechsel.

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Häufige Fragen

Warum heißt der 31. Dezember Silvester?

Weil Papst Silvester I. am 31. Dezember 335 starb und sein kirchlicher Gedenktag seither auf diesen Tag fällt. Im deutschsprachigen Raum übertrug sich sein Name irgendwann auf den letzten Tag des Jahres selbst, während viele andere Sprachen schlicht von „Neujahrsabend" sprechen.

Warum beginnt das Jahr am 1. Januar und nicht mehr im März?

Ursprünglich begann das römische Jahr tatsächlich im März. Ab 153 vor Christus verschob sich der Amtsantritt der römischen Konsuln aus praktischen Gründen auf den 1. Januar, und Julius Cäsar bestätigte dieses Datum 46 vor Christus mit seiner Kalenderreform endgültig als Jahresbeginn.

Was geschah bei der gregorianischen Kalenderreform 1582 genau?

Papst Gregor XIII. ließ zehn Tage aus dem Kalender streichen, um einen über Jahrhunderte aufgelaufenen Fehler des julianischen Kalenders auszugleichen. In den katholischen Ländern folgte auf den 4. Oktober 1582 direkt der 15. Oktober. Gleichzeitig führte er die bis heute gültige, präzisere Schaltjahrregel ein.

Warum fand die Oktoberrevolution eigentlich im November statt?

Russland nutzte 1917 noch den julianischen Kalender, nach dem der Sturm auf das Winterpalais am 25. Oktober stattfand. Nach dem gregorianischen Kalender, den Russland erst 1918 einführte, entspricht dieses Datum dem 7. November. Der Name der Revolution blieb trotzdem beim historischen Datum.

Was hat eine Schaltsekunde mit Silvester zu tun?

Schaltsekunden gleichen minimale Abweichungen zwischen Atomzeit und der tatsächlichen Erdrotation aus. Seit 1972 werden sie bei Bedarf eingefügt, meist am 30. Juni oder am 31. Dezember kurz vor Mitternacht als zusätzliche Sekunde 23:59:60 Uhr.

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